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Zeitgeschichte im Museum

vom 02.08.2020 06:18:30

Ein Schlaglicht auf die komplexe Institution des Museums wirft der jüngst erschienene Sammelband „Das umkämpfte Museum“. Er leistet eine wichtigen Beitrag zu dem in der deutschsprachigen Literatur noch immer überschaubaren Forschungsfeld der Museumsanalyse. Die Gesamtschau der Beiträge verbindet Institutionsgeschichte mit der Untersuchung des Mediums Ausstellung, indem deren Inhalte, Narrative, Gestaltung, Inszenierung, emotionale Ansprache sowie Methoden der Vermittlung in den Blick genommen werden. Die Lektüre ist für Praktiker wie für Museumswissenschaftler gleichermaßen lohnend und anregend.

Der vollständige Text meiner Rezension findet sich hier.

Radonić, Ljiljana; Uhl, Heidemarie (Hg.): Das umkämpfte Museum. Zeitgeschichte ausstellen zwischen Dekonstruktion und Sinnstiftung, Bielefeld 2020.

Foto: GI Minsk

Abschluss und Publikation der Regionalen Museumsakademie Belarus

vom 13.12.2019 11:53:09

Mit dem Abschlussymposium in Minsk ging im Dezember die Regionale Museumsakademie zu Ende. Vorausgegangen waren vier Seminare in Gomel, Polotzk, Brest und Mogiljow. Das erste Seminar in Gomel zu „Museen und Erinnerung“ hatte ich als Referentin gestaltet. Passend zum Thema haben wir die Wanderausstellung zu Maly Trostenez besucht, die gerade ihre Station in der Stadt hatte. Die Gestalterin unseres gemeinsamen deutsch-belarussischen Projekts, Susanne Benzing, war die Referentin des Seminars in Brest und in Polotzk war Katrin Hieke die Expertin für das Thema „Museumsmarketing und Tourismus“. In Mogiljow schließlich waren Carolin Savchuk vom Museum Berlin-Karlshorst und Steffen Schumann von der Kunsthochschule Weißensee über Kommunikation und Vermittlung unsere Referenten im Ethnographischen Museum. Im Oktober waren wir alle zusammen in Dresden und haben ein spannendes Programm in Museen und Gedenkeinrichtungen absolviert und viel Gespräche geführt.

Die Museumsakademie ist ein gemeinsames Projekt von Tradicia History Service, des Goethe Instituts Minsk, der Stiftung „Cultural Heritage & Modernity“ und ICOM Belarus. Für die Realisierung haben wir Mittel aus dem Programm der Östlichen Partnerschaft des Auswärtigen Amtes beantragt und erhalten.

Die Museumsakademie stärkt Museen als Brücke zwischen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren und als gesellschaftliche Dialogplattform. Sie bringt Fachleute aus Museen, Vereinen, Bildungseinrichtungen sowie öffentlichen Behörden aus Belarus und Deutschland zusammen, die bisher kaum oder gar nicht kommunizieren. Sie fördert den Dialog zu aktuellen Entwicklungen in der internationalen Museumslandschaft und den Austausch über die Arbeits- und Lebensbedingungen insbesondere jenseits der städtischen Zentren. Der Dialog mit lokalen Partnern und Vertretern der Behörden trägt dazu bei, ein offenes, sektorenübergreifendes Netzwerk aufzubauen, das nachhaltige Impulse für die Debatte über eine gemeinsame europäische Zusammenarbeit setzt.

Von April bis Dezember 2019 fanden im Rahmen der Museumsakademie Trainings, praxisorientierte Seminare mit belarussischen und deutschen Experten in den Regionen sowie Museumsbesuche und Gespräche in Deutschland für eine Gruppe von fünfzehn Multiplikatoren statt. Die Reise nach Dresden ermöglichte es den belarussischen Museumsexperten, ihre Erfahrung in einem internationalen Umfeld unmittelbar zu reflektieren.

Den Abschluss der Museumsakademie bildete das Symposium zu aktuellen Themen der Museumsarbeit in Minsk im Azgur-Museum. Als Referenten aus Deutschland konnten wir dafür Dr. Klaus Staubermann, den Geschäftsführer von ICOM Deutschland, gewinnen. Aus belarussischer Perspektive hat Alexej Bratochkin von ECLAB die Diskussion bereichert.

Das Projekt war ein voller Erfolg, und hat zudem großen Spaß gemacht. Was bleibt, ist unser Publikation mit der Dokumentation aller Veranstaltungen und praktischen Trainingsmaterialien in russischer Sprache.


Belarus bleibt eine Herausforderung

vom 10.03.2019 18:51:54

Auch nach meiner Zeit in Minsk und Belarus zwischen 2010 und 2013 bin ich regelmäßig vor Ort, arbeite mit vielen Kolleginnen und Kollegen in unterschiedlichen Projekten zusammen. In den vielen Jahren haben sich Freundschaften entwickelt und eine ungebrochene Neugier auf dieses Land am östlichen Rand Europas, das schneller zu erreichen ist als Mallorca und doch noch immer ein weißer Fleck auf der Landkarte ist.

Schon lange reizt es mich, darüber zu berichten, meine Erfahrungen zu teilen und andere Reisende neugierig zu machen. Genau das tue ich nun mit einem Buch, unterstützt von der Bayerischen Akademie des Schreibens. Stoff gibt es wahrlich genug und das Schreiben allein ist diese neue Herausforderung wert.

Screenshot: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-27930?title=t-thiemeyer-das-depot-als-versprechen&recno=9&q=&sort=&fq=&total=15712

Depotausstellungen als „Bruch mit heutigen Darstellungskonventionen“ und „Gegenmodell zur Ausstellungskultur der Gegenwart“

vom 29.08.2018 18:30:12

So versteht sie der Autor der Studie „Das Depot als Versprechen. Warum unsere Museen die Lagerräume ihrer Dinge wiederentdecken“ (Köln 2018), Thomas Thiemeyer (zitiert S. 13). Das Buch beeindruckt durch seine umfangreichen Rechercheergebnisse, Einblicke in die Tiefen ausgewählter Museen und analytische Schärfe. Ganz überzeugt hat mich die These aber dennoch nicht. Warum das so ist, habe ich in meiner Rezension der Untersuchung begründet, die kürzlich bei H-Soz-Kult erschienen ist.

Foto: https://www.kommersant.ru/doc/3392330

1917. Revolution. Russland und Europa. Ausstellung im Deutschen Historischen Museum 1917 г. Революция. Россия и Европа. Выставка в Немецком Историческом музее

vom 20.10.2017 12:34:56

Seit dem 18. Oktober zeigt das Deutsche Historische Museum eine Ausstellung zur Russischen Revolution anlässlich ihres 100. Jahrestages, für die ich als Kuratorin tätig war und das Konzept verfasst habe. Die Hälfte der Exponate stammt aus russischen Museen, darunter dem Museum für zeitgenössische Geschichte in Moskau, dem Museum für Poltische Geschichte in Petersbirg, dem Staatlichen Historischen Museum und der Tretjakow-Galerie.

Über die Idee zur Ausstellung, ihre Konzeption und besondere Objekte lesen Sie ein Doppelinterview in russischer Sprache mit Alexej Levykin, dem Direktor des GIM, aus dem auch das Gemälde von Issak Brodski stammt, das wir in der Ausstellung zeigen.

Außerdem ist im Museums-Journal 3/2017 ein Text von meiner Mit-Kuratorin und mir über die Ausstellung erschienen.

С 18 октября Немецкий Исторический музей показывает выставку по Русской революции по поводу ее 100-ой годовщины. Я – куратор выставки и написала концепцию. Половину экспонатов мы получили из российских музеев, в том числе Музея современной истории в Москве, Музея политической история в С-Петербурге, Государственного исторического музея и Третьяковской галереи.

Об идее к выставке, ее концепцией и особенных экспонатах читаете интервью на русском языке вместе с Алексеем Левикином, директором ГИМа, из которого приехал и картину Исаака Бродского, которую мы показываем на выставке.

Buchcover: https://www.scoopnest.com/ru/user/diletant_media/878334673474076672

1917. Revolution – Ortsbegehung Petersburg

vom 14.09.2017 15:44:38

In zwölf Kapiteln kann man lesend oder auch real historische Orte besuchen, an denen sich 1917 die Revolution in Petrograd abgespielt hat. Meine Kollegin Julia Kantor, früher Beraterin von Michail Piotrowski in der Ermitage, jetzt verantwortlich für die Museumsprogramme der Potanin-Stiftung, hat das Buch mit Texten von mehreren Petersburger Autoren zum 100. Jahrestag zusammengestellt und herausgegeben.

1917.Вокруг Зимнего, Мoskau: Политическая энциклопедия (РОССПЭН)  2017.


1917. Die große Rußländische Revolution

vom 03.08.2017 14:31:18

So würde unsere Ausstellung vermutlich in Russland heißen und daher hat die russische Fachzeitschrift „Muzej“ meinen Text über die beiden Ausstellungen in Zürich und Berlin vermutlich auch so überschrieben. Tatsächlich wird sie „1917. Russland und Europa“ heißen. In Zürich lautete der Titel „1917. Revolution und die Schweiz“ und der gemeinsame Essayband für beide Projekte trägt den Titel „1917. Russland und die Folgen“.  Gemeint ist natürlich in jedem Fall die Große Rußländische Revolution…

SNM_Revolution

1917. Revolution. Russland und die Schweiz

vom 12.03.2017 13:12:39

Am 23.2. war es soweit: Die Ausstellung wurde in Zürich eröffnet. Zuvor hatte es eine Pressekonferenz und eine Preview für die Leihgeber gegeben. Alles ist erfolgreich verlaufen, und die Ausstellung bekam durchweg positives Feedback. Hier die ersten Pressestimmen der NZZ (mit Bildern), des Tagesanzeigers (ebenfalls mit Bildern) und des SRF.

Neben dem gemeinsamen Essayband für die Ausstellungen in Berlin und Zürich ist nun auch der Katalog zur Schweizer Ausstellung erschienen – mit 75 Abbildungen ein schönes Lesebuch.

Für mich ist es die erste große Etappe in dem Kooperationsprojekt zwischen dem Schweizerischen Nationalmuseum und dem Deutschen Historischen Museum, und ich freue mich nach wie vor, Kuratorin bei beiden Projekten zu sein.

Nun wird die Arbeit für die Berliner Ausstellung an Fahrt gewinnen – Zielpunkt ist die Eröffnung, die nach aktuellem Stand am 20. Oktober stattfinden wird.

Katalog_Trostenez

Eröffnung der Wanderausstellung zu Maly Trostenez in Minsk

vom 03.03.2017 09:53:31

Anlässlich des 25. Jahrestags der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Belarus und Deutschland am 13. März soll die Wanderausstellung zum ehemaligen Konzentrationslager Maly Trostenez im Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk eröffnet werden. Das wäre die erste Station der Ausstellung in Belarus, an der wir mehrere Jahre gearbeitet haben.

Das Projekt geht auf die Initiative des IBB Dortmund zurück, die Ausstellung wurde von deutschen und belarussischen Historikerin unter der Federführung der Stiftung Denkmal Europäische Juden Europas erarbeitet. Die erste Station in Deutschland war die Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg, wo die Ausstellung in deutsch-russischer Version am 8. November 2016 eröffnet worden war. Eine belarussisch-deutsche Version soll nun auch durch Schulen und Bildungseinrichtungen in Belarus wandern.

Parallel sind am historischen Ort, ebenfalls auf Initiative des IBB und der Stand Minsk, weitere Informationseinheiten und Erinnerungszeichen angebracht worden. Für die Zukunft hoffen wir darauf, Teile unserer Ausstellung auch dort, am historischen Ort, dauerhaft zeigen zu können.

Maly Trostenez kehrt seit einigen Jahren in das kollektive Gedächtnis des Landes zurück und mit ihm auch die Erinnerung an die Ermordung der belarussischen Juden. Dieses Thema war lange zwar nicht tabuisiert, aber doch ein Randthema, das in die offizielle Darstellung des Zweiten Weltkriegs nur zögerlich integriert wurde. Ähnlich war und ist es noch immer mit den sog. Euthanasie-Verbrechen. Aber auch sie erfahren derzeit eine neue Aufmerksamkeit. Die Galerie Ў zeigt eine Ausstellung zum Thema „Von der Entmenschlichung zum Mord. Das Schicksal der psychisch Kranken in Belarus“ und erinnert damit an eine lange vernachlässigte Opfergruppe in Belarus.

Essayband_1917

1917. Revolution. Es ist soweit….

vom 22.02.2017 09:51:17

Nicht nur die historische Februarrevolution jährt sich in diesen Tagen zum 100. Mal. Nein, auch ein erster Meilenstein meines und unseres Projektes ist geschafft: Pünktlich zu Eröffnung der Ausstellung in der Schweiz erschient der Essayband zu beiden Ausstellungen in Zürich und Berlin. Zu erwerben ist der beim Sandstein-Verlag publizierte Band unter dem Titel „1917. Revolution. Russland und die Folgen“ in deutscher und englischer Sprache. Parallel erscheint auch der Katalog zur Ausstellung des Schweizerischen  Nationalmuseums „1917. Revolution. Russland und die Schweiz“. Die Ausstellung, zu deren Kuratoren ich gehöre, eröffnet am Donnerstag, den 23. Februar, also genau am Jahrestag der großen Frauendemonstration in Petrograd, die die Ereignisse ins Rollen brachte – der Auftakt für ein spannendes Jahr im Zeichen der Erinnerung an die Russische Revolution.